Pellworm

Pellworm | Nordseeinsel im nordfriesischen Wattenmeer u. Teil des Weltnaturerbes der UNESCO

Thema Pellworm: Alte Kirchturmruine und Wahrzeichen der Insel Pellworm … ist die viertgrößte der 5 nordfriesischen Inseln Amrum (20,4 km²), Föhr (82,9 km²), Nordstrand (50,4 km², mit dem Festland verbunden), Pellworm (37,4 km²) und Sylt (99,2 km²). Gleichsam kreisförmig angeordnet, gruppieren sich die 10 Halligen um Pellworm.

Vor der großen Sturmflut von 1362, der ersten ›Groten Mandränke‹ (auch: zweite Marcellusflut), war Pellworm eine von 5 Harden (Zusammenschluss mehrerer Siedlungen mit eigener landeshoheitlicher Verwaltung und Gerichtsbarkeit) der alten Insel Strand mit den Bezeichnungen ›Beltringsharde‹, ›Edomsharde‹, ›Lundenbergharde‹, ›Pellwormharde‹ und ›Wiriksharde‹.

Nach dem 16. und 17. Januar 1362 wurde die Insel Strand zerschlagen und große Landverluste waren die Folge. Die ›Lundenbergharde‹ und ›Wiriksharde‹ waren zerstört, auch zahlreiche Kirchen mussten aufgegeben werden. Der zur Edomsharde gehörende Handelsort ›Rungholt‹ und weitere Orte versanken in den Fluten. Nach Angaben des Chronisten Anton Heimreich (*1626 †1685; Pfarrer auf Nordstrandischmoor) musste etwa die Edomsharde den Verlust von 7 Kirchspielen und 7.600 Menschen hinnehmen. An anderer Stelle, etwa im ›alten Register (catalogus vetustus)‹, wird von untergegangenen Kirchspielen in der Pellwormharde berichtet (vgl. Dirk Meier, Naturgewalten im Weltnaturerbe Wattenmeer, Boyens, 2012). Der Chronist Arends berichtet davon, dass man nie eine größere Wasserflut habe erleben können. Wegen der großen Zahl der darin umgekommenen Menschen habe man sie »de groote Manndrank (Die große Manntränke – Das große Ertrinken)« genannt. In den Uthlande-Harden Everschop und Utholm sei der größte Teil der Menschen umgekommen. Allein auf Nordstrand hätten 30 Kirchspiele ihren Untergang gefunden (vgl. Hans Egidius, Sturmfluten. Tod und Verderben an der Nordseeküste, ccv concept center verlag, 2003). Auch weite Teile des Norderlandes, etwa die Westermarsch und weite Teile von Ostfriesland seien überschwemmt worden. Und besonders schwere Landverluste habe die Westküste Schleswig-Holsteins hinnehmen müssen. Dort habe man 50 Kirchen mit den zugehörigen Häusern, also ganze Ortschaften ausdeichen (Landflächen freigeben durch Zurückverlegung des Deiches) und die Überreste dem Meer schutzlos preisgeben müssen (vgl. Hans Egidius a.a.O., Seite 52).

Da große Teile der ehemaligen Uthlande zerrissen und unter Wasser gesetzt wurden, erhielt Strand nach der Sturmflut von 1362 seine charakteristische hufeisenförmige Gestalt, wobei die beiden Enden jeweils die heutigen Inseln Pellworm und Nordstrand bildeten. Die Pellwormharde wurde durch die Allerheiligenflut von 1436 von Strand getrennt und 1551 gelang es mit Hilfe der der Holländer die Pellwormharde wieder mit Strand zu verbinden. Während der Burchardiflut von 1634 brach die damals 220 km² große Insel schließlich endgültig auseinander. Übrig blieben als eigenständige Inseln Pellworm und Nordstrand.

Literaturhinweise

    • Hans Egidius, Sturmfluten. Tod und Verderben an der Nordseeküsten, ccv, 2003
    • Ulli Harth, Untergang der Halligen, Christians Verlag, Hamburg, 1992
    • Dirk Meier; Naturgewalten im Weltnaturerbe Wattenmeer, Boyens Buchverlag, 2012
    • Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Wachtholtz Verlag, Neumünster, 2000
    • Harry Kunz, Fiete Pingel, Thomas Steensen, 100 x Nordfriesland, Nordfriisk Instituut, Bredstedt, 2016

Abbildung

    • © Dieter Johannsen – Titel: Alte Kirchturmruine und Wahrzeichen der Insel Pellworm