Koog

Auch: ›Polder‹ in den Niederlanden, ›Groden‹ oder ›Heller‹ in Ostfriesland

Koog | Hauke-Haien-KoogEntlang der schleswig-holsteinischen Nordseeküste zieht sich in einem flachen, an manchen Stellen bis zu fünfzehn Kilometer breiten Streifen eine der drei vorherrschenden großen Landschaftszonen – das nacheiszeitlich entstandene Marschland. Es besteht aus dem Schwemmland des Meeres, entstanden aus den Ablagerungsprozessen der Gezeiten einiger tausend Jahre, und liegt zwischen Wattenmeer und Geest. Wenn nun flaches Marschland durch Entwässerung dem Meer abgewonnen und zum Schutz eingedeicht wird, sprechen wir von einem ›Koog‹ in Schleswig-Holstein, einem ›Groden‹ oder Heller in Niedersachsen und einem ›Polder‹ in den Niederlanden. Die ersten Köge entstanden vor etwa eintausend Jahren auf der Halbinsel Eiderstedt, die ursprünglich aus den drei zum Uthlande gehörenden Harden Eiderstedt, Everschop und Utholm entstanden ist. Um den ständigen Überschwemmungen und heftigeren Sturmfluten durch den zunehmenden Anstieg des Meeresspiegels begegnen zu können, wurde der Deichbau im 11. Jahrhundert zunächst genossenschaftlich organisiert und mit Blick auf die Neulandgewinnung ab dem 16. Jahrhundert durch die ›Landesherrschaft‹, die Eigentümer des Vorlandes waren, vorangetrieben. Immerhin bedeuteten zusätzliche Landmassen weitere landwirtschaftliche Flächen, die durch deren Verwertbarkeit weitere Einnahmenquellen erschlossen. Der Heimatforscher Rudolf Muuß notiert im Hinblick auf die forcierten Anstrengungen nach der Großen Flut vom 11. Oktober 1634:

»Die grünen Deiche, mit Recht ›Goldene Ringe‹ genannt, wurden immer wieder erhöht, verbessert, ihr Profil durchdacht, ihr Vorland bearbeitet und gesichert. Die ›Uthlande‹, d. h. die Außenlande, haben den zweiten Namen ›Spadelande‹, Spatenlande, und das Spadelandrecht ist unverlierbar in der Geschichte der nordfriesischen Marschen.« (Pastor Dr. Rudolf Muuß, a.a.O., Seite 150).

Die verheerende Sturmflut von 1634 hat viele der bis dahin etwa 100 entstandenen Köge wieder vernichtet. Aktuell gibt es an der schleswig-holsteinischen Westküste um die 230 Köge. Zu den bekanntesten Kögen in Nordfriesland gehören bespielsweise der Hauke-Haien-Koog, Neuer Christian-Albrechts-Koog, Gotteskoog, Marienkoog, Herrenkoog oder der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog.

Wie entsteht ein Koog?

Koog | Die nordfriesischen Uthlande (Außenlande) - mit Rungholt - vor der Sturmflut 1362 (1. Große Mandränke)Für die Landgewinnung muss das Wasser der Nordsee zunächst ›beruhigt‹ werden. Dafür sorgt ein System von Buhnen und Lahnungen, die bei Ebbe das Abfließen von Schwebteilchen verzögern. Diese können sich allmählich als Schlick zwischen den Buhnen und Lahnungen auf dem Meeresboden absetzen. Der Meeresboden kann sich auf diese Weise allmählich erhöhen, so dass sich Queller und Strandhafer, die sogenannten Pionierpflanzen, ansiedeln können.

Hat der Meeresboden schließlich die Fluthöhe erreicht, werden Gräben mit Schlick ausgehoben, der auf dem Boden verteilt wird, um eine weitere Erhöhung des Meeresbodens zu erreichen. Auf diese Weise lassen sich die Landflächen vor den Deichen vergrößern. Gleichzeitig schützen die zusätzlich gewonnenen Flächen, auch als Vorland bezeichnet, die Deiche. In den ausgehobenen Gräben können sich neue Sedimente ablagern.

Wenn das Vorland genügend Fläche aufweist, wird es zum Schutz vor Sturmfluten eingedeicht, um dauerhaft genutzt werden zu können.

Das neu eingedeichte Land wird als Koog‹ (Mehrzahl = ›Köge‹) bezeichnet und ist der an der Westküste Schleswig-Holsteins gebäuchliche Begriff. Im Oldenburger Raum, Niedersachsen, verwendet man dagegen eher den Begriff ›Groden‹ oder auch ›Heller‹, in den Niederlanden sowie in den angrenzenden Teilen Ostfrieslands spricht man üblicherweise von einem ›Polder‹.

Literaturhinweise

  • Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Seite 45 ff., Wachholz Verlag, Neumünster 2000
  • Harry Kunz, Fiete Pingel, Thomas Steensen, 100 x Nordfriesland, Nordfriisk Instituut, Bredstedt 2016
  • Rudolf Muuß, Die große Flut vom 11. Oktober 1634, in: Das Heimatbuch der Nordfriesen, Thordsen-Verlag, Hamburg 1957

Abbildungen

  • Abbildung oben: © Fotografie | Dieter Johannsen – Titel: Der Hauke-Haien-Koog wird durch die Ortschaften Schlüttsiel, Fahretoft und Ockholm begrenzt.
  • Abbildung unten: Urheber: Runga, CC0, via Wikimedia Commons
    Titel: Die nordfriesischen Uthlande (Außenlande) – mit Rungholt – vor der Sturmflut 1362 (Erste Große Mandränke)
    URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:UthlandeRungholt.png