Halligen

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Die Halligen im Wattenmeer

Thema Halligen: Alte Fischerboote am Hafen von SchlüttsielAls die eigentliche Geburtsstunde der Halligen gilt die erste ›Grote Mandränke‹ vom 16. Januar 1362, auch Marcellusflut genannt, und später auch die Sturmflut vom 11. Oktober 1634, die zweite ›Grote Mandränke‹, auch als Burchardiflut bezeichnet. Während dieser verheerenden Sturmfluten werden große zusammenhängende Landmassen vor der nordfriesischen Küste, die von zahlreichen Prielen durchzogen waren, überflutet und auseinandergerissen. Durch die Burchardiflut wird die damals größte Insel ›Strand‹ auseinandergerissen, so dass die Hauptinseln ›Pellworm‹ und ›Nordstrand‹ entstehen konnten. Dem nordfriesischen Festland vorgelagert, wurden die 13 mittelalterlichen Marschen und Inselharden Nordfrieslands auch als Uthlande bezeichnet, also als Außenlande, bestehend aus den Marschen, Inseln und den heutigen Halligen.

Das bis zum Geestrand vordringende Flutwasser sorgte für verheerende Zerstörungen der nordfriesischen Marschen und war verantwortlich für die fundamentale Veränderung der Küstenlinie des Landes. Gleichzeitig versank der über 150 Jahre alte, mit zahlreichen Mythen und Sagen aufgeladene ehemalige Handelsort Rungholt in den Fluten.

Durch immer wiederkehrende Überflutungen konnte altes und flaches Marschland aufgeschwemmt werden. Übrig blieben Landreste, aus denen die heutigen Halligen, kleinere Marschinseln entstehen konnten. So gehörten zum Beispiel die heutige Halbinsel Nordstrand und die Insel Pellworm zu jener Zeit zu einer großen Insel, die den Namen ›Strand‹ trug.

Die heute bestehenden zehn Halligen, von denen sieben bewohnt sind, liegen im südlichen Teil des nordfriesischen Wattenmeeres Schleswig-Holsteins, sind der Westküste vorgelagert und – im Unterschied zu den Inseln – sogenannte nicht eingedeichte kleine Marschinseln, die sich kreisförmig um die Insel Pellworm gruppieren und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel erheben. Sie werden im Verlaufe des Jahres mehrere Male überspült. Nur die Warften, künstlich angelegte Erdhügel aus Kleieboden, auf denen die Häuser stehen, bleiben verschont. Die kleinste Hallig ist etwa 3 ha, die größte dagegen 956 ha groß. Durch weitere schwere Sturmfluten kam es zu ständigen Änderungen der Halligwelt. Man schätzt, dass es zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert mehr als 100 Halligen gegeben hat; aber nur die verbliebenen 10 Halligen konnten ab Mitte des 19. Jahrhunderts dauerhaft gesichert werden. 

Zu den heutigen Halligen gehören:

  1. Gröde (2,5 km², 2 Warften)
  2. Habel (0,06 km², 1 Warft)
  3. Hamburger Hallig (1,1 km², 1 Hauptwarft mit dem Halligkrog und 2 unbewohnte Warften)
  4. Hooge (5,78 km², 11 Warften, davon 1 unbewohnt)
  5. Langeneß (9,56 km², 18 Warften)
  6. Norderoog (0,09 km², es gab 1 Warft, die inzwischen nicht mehr existiert)
  7. Nordstrandischmoor (1,9 km², 3 bewohnte und 1 unbewohnte Warft)
  8. Ohland (2,01 km², 1 Warft)
  9. Süderoog (0,6 km², 1 Warft)
  10. Südfall (0,5 km², 1 Warft)

Theodor Storm bezeichnete die Halligen einst als ›schwimmende Träume im Meer‹. Diese Charakteristik scheint durchaus zutreffend. Denn betrachtet man die Halligen vom Festland aus, so liegen sie fast ein wenig unwirklich und verloren da, in den Weiten des Wattenmeeres, geheimnisvoll und spirituell, schweben nahezu wie eine Fata Morgana über dem Wasser der Nordsee.

Heute gelten die Halligen als einzigartige Kulturlandschaft, die zum ›Biospärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen‹ gehören. Bereits seit 1990 besteht das von der UNESCO ausgezeichnete ›Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer‹ mit insgesamt 4.431 km². Es reicht von der dänischen Grenze bis zur Elbmündung und teilt sich in eine Kernzone (1.570 km²) und eine Pufferzone (2.840 km²) auf. Diese Zonen gelten als von der UNESCO anerkannte Modellregionen mit nur eingeschränkter wirtschaftlicher Nutzung, gemäß der Statuten des Nationalparkgesetzes. Später, im Jahre 2004, wurde die Entwicklungszone mit aufgenommen mit den fünf großen bewohnten Halligen: Gröde, Hooge, Langeneß, Nordstrandischmoor und Ohland. Die fünf kleinen Halligen Habel, Hamburger Hallig, Norderoog, Süderoog und Südfall liegen in der Kernzone des Biosphärenreservats.

Literaturhinweise
Dirk Meier, Naturgewalten im Weltnaturerbe Wattenmeer, Boyens, 2012
Hans Edidius, Sturmfluten – Tod und Verderben an der Nordseeküste, ccv concept center verlag, 2003
Jürgen Newig, Uwe Haupenthal (Hrsg.) Rungholt – Rätselhaft & widersprüchlich, Husum, 2016
Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Wachtholtz Verlag, 2000
Nationalpark Wattenmeer, Biospärenreservat
Westdeutscher Rundfunk Köln – Planet Wissen

Abbildung
© Dieter Johannsen – Alte Fischerboote im Hafen von Schlüttsiel