Wattenmeer

Thema Wattenmeer: Spiegelung am Morsumer Kliff auf der Insel SyltWenn in bestimmten Küstenbereichen während der Niedrigwasserzeit (Ebbe) der Grund des Meeres unter dem Einfluss der Gezeiten täglich zweimal freigelegt und während der Hochwasserzeit (Flut) wieder in den früheren Zustand versetzt wird, sprechen wir vom ›Wattenmeer‹. Vorgelagerte Inseln, Halligen, Sandbänke und flach verlaufender Meeresboden sorgen dafür, dass die Kraft von Wellen und Strömungen gebremst wird. Energiearme Küsten begünstigen somit die Bildung großer Wattflächen.

Die Wattflächen der Nordsee zählen weltweit zu den bedeutendsten und größten Arealen. Sie erstrecken sich vom nördlich gelegenen Esbjerg in Dänemark bis zur niederländischen Stadt Den Helder im Westen. Dazwischen liegen etwa 450 km Entfernung. Durchschnittlich wird alle 6 Stunden und 12 Minuten der Grund einer etwa 12.000 km² großen und bis zu 20 bis 40 km breiten Wasseroberfläche freigelegt.

Das Wattenmeer gilt als außergewöhnlich dynamisches Biotop, da es ständigen Veränderungen ausgesetzt wird und sich unter dem Einfluss der Gezeiten zu einer vielfältigen Landschaft mit stetig wechselndem Aussehen entwickelt (vgl. Unser Weltnaturerbe Wattenmeer, Gemeinsames Wattenmeersekretariat, Wilhelmshaven).

Für zahlreiche Tiere und Pflanzen bilden die speziellen Bedingungen des Wattenmeeres den idealen Lebensraum. Dazu zählen Muscheln, Schnecken, Wattwürmer, Krebse, winzige Algen, der Queller oder verschiedene Braunalgen, beispielsweise der Blasentang, ebenso zahlreiche Fischarten, Kegelrobben, oder Seehunde. Im Frühjahr und Herbst rasten dort die Ringelgänse, die deshalb auch als echte ›Wattenmeergänse‹ bezeichnet werden. Zu den weiteren typischen Vogelarten, die dort angetroffen werden können, gehören auch die Brandgans, die Eiderente, der Austernfischer, die Silbermöwe, der Alpenstrandläufer und der Sanderling, den man auch ›Keen Tied‹ = ›Keine Zeit‹ nennt, da er in Windeseile den auf- und ablaufenden Wellen hinterherläuft, um Krebstiere und Würmer aus dem Sand zu picken.

Im Juni 2009 wurden zunächst das deutsche und das niederländische Wattenmeer von der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation) in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Für ein Naturschutzgebiet ist dies die höchste Auszeichnung, die mit einer Art Nobelpreis vergleichen werden könnte (vgl. Unser Weltnaturerbe Wattenmeer, Hrsg. Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Natur). Im Jahre 2014 wurde die Liste um das dänische Wattenmeer erweitert.

Literaturhinweise:

Abbildung:
© Dieter Johannsen – Titel: Wattenmeer: Spiegelung am Morsumer Kliff auf der Insel Sylt