Verlandung

Wenn wir den Begriff ›Verlandung‹  verwenden, müssen zwei Formen unterscheiden werden: die natürliche Verlandung und die künstlich herbeigeführte Verlandung.

Bei der natürlichen Verlandung kommt es in flachen, stehenden und nährstoffreichen Gewässern zu einem sogenannten Biomassenzuwachs, der vom Ufer ausgeht.

Dabei sammelt sich organisches Material in Form von abgestorbenen Pflanzenteilen im Wasser an, das als Schwebstoff auf den Boden sinkt. Durch den vorhandenen Sauerstoff sedimentieren die organischen Anteile dieser Schwebstoffe. Ein Teil der Sinkstoffe zersetzt sich.  Für den anderen Teil der Sinkstoffe reicht der Sauerstoffgehalt für die vollständige Zersetzung nicht aus. Dieser Teil bleibt allmählich als eine Art Schlammschicht (auch als ›Muddeschicht‹ bezeichnet) auf dem Boden zurück. Währenddessen sammeln sich organische und anorganische Substanzen am Ufer des Sees an.

Die Größe der offenen Wasserfläche nimmt weiter ab; auch die Wassertiefe verringert sich. Nach und nach nehmen die Schlammablagerungen zu.  So kommt es zu einer zeitlichen Abfolge unterschiedlicher Organismen, die Ufer- und Wasservegetation kann sich zur Seemitte hin verschieben. Im Laufe von langen Zeiträumen legt sich ein dichter werdendes Netz aus Wurzel- und Pflanzengeflecht über diese Schlammschicht. Dieses Netz bildet eine Schicht, die mit dem Begriff ›Schwingdecke‹ oder ›Schwingrasen‹ versehen werden kann. Die Wasseroberfläche des Sees wird schließlich geschlossen, bis am Ende das Wasser ganz verschwunden ist. Aus dem See ist Festland geworden und die natürliche Verlandung damit abgeschlossen.

Eine künstliche Verlandung wird an der deutschen Nordseeküste grob in drei Phasen aufgeteilt:

In der ersten Phase werden sogenannte Buhnen und Lahnungen errichtet. Buhnen können beispielsweise doppelte Holzpflockreihen im Wattenmeer oder auch Steinwälle sein, die im rechten Winkel zum Strandverlauf angeordnet und in das Meer hineingesetzt werden. Sie haben die Aufgabe, die Strömungsgeschwindigkeit von uferparallelen Strömungen zu verlangsamen und die Wellen zu brechen.

Zusätzlich werden die Buhnen durch sogenannte Lahnungen ergänzt, die ebenfalls aus einer doppelten Holzpflockreihe bestehen können, aber im Unterschied zu den Buhnen anders angeordnet sind und mit Faschinen versehen werden – das heißt zwischen den Holzpflöcken der doppelten Holzpflöcke werden walzenförmige Reisig- oder Rutenbündel befestigt, sogenannte ›Faschinen‹. Spätestens nach 5 Jahren muss die Buschpackung einer Lahnung ersetzt werden.

Die Lahnungen werden parallel zum Küstenverlauf und im rechten Winkel zu den Buhnen gesetzt, so dass sich Lahnungsfelder bilden können, die jeweils etwa eine Größe von 100 m x 200 m haben.  Mit jeder Flut kann Wasser in die Lahnungsfelder strömen, das dort jetzt zum Stillstand kommt. Die im Wasser enthaltenen Sink- oder Schwebstoffe können sich absetzen, die Sedimentation, also die Aufschlickung wird gefördert.

In der zweiten Phase werden innerhalb der Lahnungsfelder Wassergräben ausgehoben, die auch als Grüppen bezeichnet werden. Der dabei ausgehobene Schlick wird zwischen den Grüppen, den sogenannten Beeten abgelegt. Dadurch ist es möglich, dass noch Wasser trotz der erhöhten Bereiche in einen Teil der Lahnungsfelder – in die Grüppen – vordringen kann. Auf diese Weise wird die Sedimentation gefördert. Der Bereich der Beete wird parallel dazu durch die Schlickablagerungen auf ein höheres Niveau gebracht als das Niveau des mittleren Tiedehochwasserstandes.

Hat sich die Fläche innerhalb der Lahnungen hinreichend hoch ausgebildet, finden in der dritten Phase die Eindeichung statt. Ein zusätzlicher Naturraum, der innerhalb eines Koogs ganz verschiedenartig genutzt werden kann, ist entstanden.

Literatur:
de.wikipedia.org
www.expedition-moor.de
www.kuestenexkursion.de
www.nlwkn.niedersachsen.de