Theodor Storm

Der Dichter, Novellist und deutsche Jurist Theodor Storm gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des ›Poetischen Realismus‹. Der ›Poetische Realismus‹ prägt eine wesentliche Epoche der Literaturgeschichte in der Zeit von 1848 bis 1890 und wurde von bedeutenden Autoren des 19. Jahrhunderts getragen. Neben Theodor Storm zählen zum Beispiel auch Theodor Fontane,  Gottfried Keller, Wilhelm Raabe oder Friedrich Hebbel zu den Hauptvertretern dieser Literaturgattung.

Von den 58 Novellen ist die 1888 erschienene Novelle ›Der Schimmelreiter‹, in der es um das Schicksal des fiktiven Deichgrafen Hauke Haien geht, Theodor Storms letzte und gleichzeitig auch – neben ›Immensee‹ – seine bekannteste Novelle. Sie ist mit den Naturgewalten der Nordsee und den Menschen, die dort leben, untrennbar verbunden. Hauke Haien wurde zum Namensgeber des Naturschutzgebietes ›Hauke-Haien-Koog‹, das zwischen 1958 und 1960 im Zuge der Eindeichung entstand, etwa 1200 Hektar groß ist und zum großen Teil als Schutzgebiet für Seevögel dient. Mit diesem Koog wurde eine Wende im Küstenschutz eingeleitet. War es bisher üblich den gesamten Koog für die landwirtschaftliche Nutzung bereitzustellen, wurden jetzt mehr als die Hälfte des Koogs, nämlich 700 Hektar als Speicherbecken für die Binnenentwässerung und gleichzeitig als Schutzgebiete für Seevögel ausgewiesen.

Theodor Storm wurde am 14. September 1817 als ältester Sohn eines angesehenen Notars in Husum geboren, der ›grauen Stadt am Meer‹, wie er sie einst in seinem berühmten Gedicht ›Die Stadt‹ (1852) mit melancholischer Grundstimmung charakterisiert hatte. An der Christian-Albrechts-Universität in Kiel studierte er ab 1837 Jura. In diesen Jahren befreundet er sich mit dem später bedeutenden Historiker und Altertumsforscher, Theodor Mommsen, den er 1839 kennenlernt.

Nach dem Studium kehrt Theodor Storm 1843 nach Husum zurück, wo er eine Anwaltskanzlei eröffnet. 1846 heiratet Storm seine Cousine Constanze Esmarch, mit der er sich 1844 verlobt hatte. Sieben Kinder gehen aus dieser Ehe hervor.

Da Theodor Storm auch nach dem Friedensschluss des Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieges zwischen Preußen und Dänemark vom 2. Juli 1850 eine gegenüber den Dänen kritische Haltung einnahm und sich weigerte, der dänischen Krone eine Loyalitätserklärung abzugeben, wurde ihm 1852 die Advokatur durch den dänischen Schleswigminister Friedrich Ferdinand Tillisch entzogen. Im gleichen Jahr wird die 2. Fassung seiner schon 1849 geschriebenen Novelle ›Immensee‹ veröffentlicht, die seine Bekanntheit im deutschsprachigen Kulturraum markierte.

Die Jahre nach dem Entzug seiner Advokatur 1852 waren von beruflichen und finanziellen Schwierigkeiten geprägt. Im Kreisgericht Potsdam erhielt er 1853 eine zunächst unbezahlte Stellung als Gerichtsassessor, die er bis 1856 einnahm. Im selben Jahr (1856) erhielt er eine Anstellung als Richter am Kreisgericht Heiligenstadt, in Thüringen. Während dieser Zeit entstanden seine Novellen ›Auf dem Staatshof‹, ›Drüben am Markt‹, ›Im Schloss‹ und ›Auf der Universität‹, Novellen, die seine Bedeutung als realistischen Erzähler hervorhoben.

Der ›Zweite Schleswig-Holsteinische Krieg‹ führte 1864 zur Niederlage Dänemarks. Vom preußischen Staatsdienst verabschiedet sich Theodor Storm und zieht im gleichen Jahr ein zweites Mal nach Husum zurück, wo die Bevölkerung ihn zum Landvogt des Kreises Husum berief. 1865 stirbt seine Frau Constanze Storm nach der Geburt der Tochter Gertrud. In seinem Gedichtzyklus ›Tiefe Schatten‹ versucht Theodor Strom seine Trauer zu verarbeiten, namentlich in den beiden Gedichten ›Die Stadt‹ und ›Ans Haff nun fliegt die Möwe‹, die zu den bekanntesten Arbeiten im Zyklus gehören.

1866 heiratet Theodor Storm seine ehemals große Liebe Dorothea Jensen, die er bereits 1846, im Alter von 28 Jahren kennenlernte und die ihn 1849 zu der berühmten ­Novelle ›Immensee‹ inspirierte. Mit Dorothea Jensen zieht Storm in das Husumer Haus Wasserreihe 31, das er bis 1880 bewohnt und das heute als Theodor-Storm-Museum genutzt wird. 1874 wird er zum preußischen Oberamtsrichter ernannt. In diesem Jahr schreibt Storm die Erzählung ›Pole Poppenspäler‹, die für jugendliche Leser bestimmt ist und eine Auftragsarbeit darstellt.

Im Jahre 1880 lässt Theodor Storm sich vorzeitig pensionieren, um sich in der kleinen Gemeinde Hademarschen niederzulassen, eine Gemeinde, die in der Mitte des Dreiecks liegt, das von den Kreisstädten Rendsburg, Heide und Itzehoe gebildet wird. Hier entstehen seine sogenannten Altersnovellen ›Der Herr Etatsrat‹, ›Die Söhne des Senators‹, ›Hans und Heinz Kirch‹, ›Ein Doppelgänger‹, ›Ein Bekenntnis‹ und 1888 ›Der Schimmelreiter‹

Theodor Storm stirbt am 4. Juli 1888. Im Familiengrab des Husumer St.-Jürgen-Friedhofs findet er seine letzte Ruhestätte.

Literatur:
de.wikipedia.org
www.storm-gesellschaft.de
www.ndr.de