Pesel

Pesel im Altfriesischen Haus

An der Nordsee und ebenso auf den Halligen trifft man häufig auf die aus dem friesischen stammende Bezeichnung ›Pesel‹. (altfriesisch auch als ›Pisel‹ bezeichnet.

Gemeint ist mit diesem Begriff der repräsentabelste Raum im Haus, eine Art ›gute Stube‹ oder ein Raum, den man nur zu besonderen Anlässen, etwa für Familienfeiern, Besuche, Festtage oder sogar zum Aufbahren von Verstorbenen nutzt.

Nicht selten gibt es in diesem Raum einen Bereich, der mit handgemalten Fliesen versehen wurde. Gewöhnlich ist der ›Pesel‹ nicht beheizt worden. Im Norden Schleswig-Holsteins und an der Westküste, auf einigen Inseln und häufig auf den Halligen – zum Beispiel auf den Halligen ›Hooge‹ oder ›Langeneß‹ – kann man den Pesel noch finden.

Ein Stück Friesenkultur findet sich im ›Königspesel‹ der Familie Bendixen, auf der Hanswarft, im historischen Kapitänshaus von 1776, auf Hallig Hooge. Er gehört zu den eindrucksvollsten Räumen der Insel, der von den Tagesgästen am häufigsten besucht wird. Der Name ›Königspesel‹ leitet sich übrigens aus dem Umstand ab, dass hier der dänische König Friedrich VI 1825 von einer Sturmflut überrascht wurde – auf einer Besichtigungsfahrt – und deshalb dort notgedrungen übernachten musste.

Daneben gab es freilich noch den normalen Aufenthaltsraum, das durchaus mehr Behagen ausstrahlende Wohnzimmer, das im friesischen auch als ›Döns‹ bezeichnet wurde.

Abbildung: Pesel in einem Altfriesischen Haus in Keitum auf Sylt.
Urheber: Hermann Junghans