Marschland

Mit dem Begriff Marschland (auch Marschen) sind die ebenen, flachen Landstriche an der Nordseeküste gemeint. Sie bilden eine der großen Landschaftszonen Schleswig-Holsteins. Die Marschen ziehen sich in einem mal mehr, mal weniger breiten Streifen entlang der Nordseeküste und liegen landeinwärts von Watt und Salzwiesen an der Nordseeküste. Sie erstrecken sich über eine Länge von etwa 550 km.

Das Marschland hat seinen Ausgangspunkt im Watt und hat – im Gegensatz zur Geest – keinen eiszeitlichen Ursprung. Marschland entsteht vielmehr durch Sinkstoffablagerungen, die sich aus den regelmäßigen Überflutungen ergeben.

Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Sinkstoffablagerungen möglich sind:
Die erste Voraussetzung ist das Vorhandenensein eines Gezeitenmeeres; die zweite Voraussetzung ist das Vorhandensein einer Flachküste. Entstanden sind diese Bedingungen vor etwa 10.000 Jahren durch das allmähliche Abschmelzen des Inlandeises und ein damit einhergehender Anstieg des Meeresspiegels um 80 bis 100m am Ende der Kaltzeit. Durch diesen Prozess ist das Wasser der entstehenden Nordsee bis an den westlichen Gestrand vorgedrungen. Eine Marschbildung konnte aber erst viel später einsetzen und vollzieht sich in vier Phasen:

In der ersten Phase vor etwa 10.000 bis 5.000 Jahren bildeten sich in Dithmarschen zunächst Kliffs und Nehrungen.

In der zweiten Phase, vor etwa 5.000 bis 3.800 Jahren, kam es in Nordfriesland zur Entstehung der alten Marsch durch die Bildung von Mooren und anschließenden Basistorfen. Mit dem auflaufenden Wasser wurden nun Sinkstoffe transportiert, die sich während des dabei auftretenden Kenterns des Flutstromes zur Ebbe und der dabei auftretenden Ruhephase des Wassers, absetzen konnten. In Dithmarschen bildete sich allmählich eine Flachküste.

In der dritten Phase, vor etwa 3.800 bis 2.800 Jahren, bildete sich bei relativ konstantem Meeresspiegel über der alten Marsch ein großes Hochmoorgebiet zwischen Eiderstedt und Sylt aus. In Dithmarschen entstand während dieser Zeit die alte Marsch.

In der vierten und noch andauernden Phase, vor etwa 2.000 Jahren bis in die Gegenwart, kam es durch den erneuten Anstieg des Meeresspiegels zur Entstehung der jungen Marsch entlang der Nordseeküste. Diese junge Marsch breitete sich in Nordfriesland über das zuvor gebildete Hochmoor aus und legte sich in Dithmarschen vor die alte Marsch.

Durch die regelmäßig einsetzende Sedimentation verlanden die Salzwiesen nach und nach, das heißt, organisches Material sorgt für ein natürliches Auffüllen der Flachküste. Die Verlandung führt zum Wachstum verschiedener Pflanzen, die den Boden verfestigen. Freie Wasserflächen werden reduziert.

Die Marschen bestehen zum überwiegenden Teil aus fruchtbarem und schwerem Boden.

Quelle: K.-J. Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.), Neumünster 2000, Seite 345