Marcellusflut

Die Marcellusflut ist die Bezeichnung für zwei folgenschwere Sturmfluten an der Nordsee, die 143 Jahre auseinanderliegen. Da sich beide Sturmfluten an einem 16. Januar, dem Gedenktag des Heiligen Marcellus I., ereigneten, erhielten sie jeweils seinen Namen.  Im Mittelalter war es  durchaus üblich, Sturmfluten nach dem jeweiligen Namen des Tagesheiligen zu benennen.

Die erste Sturmflut, auch als ›Erste Marcellusflut‹ bezeichnet, war am 16. Januar 1219 (übrigens 55 Jahre nach der Julianflut, der ersten jemals historisch belegten Sturmflut der deutschen Nordseeküste).

Sie traf besonders auf Westfriesland, der nördlichen Region der niederländischen Provinz Nordholland, die im Frühmittelalter noch von Friesen bewohnt war. Betroffen war aber auch die Westküste Schleswig-Holsteins. Allein in dieser Region kamen etwa 10.000 Menschen ums Leben. Insgesamt schwanken die Opferzahlen zwischen 36.000 und 50.000. Von einem damaligen Augenzeugen, dem Abt Emo,  wurde die erste Marcellusflut zunächst naturphilosophisch erklärt, dann aber vom ihm als eine Art ›Sintflut‹ gedeutet, welche die reichen Marschbauern treffen sollte, da diese nicht an die Armen gedacht hätten (vgl. de.wikipedia.org).

Die zweite Marcellusflut, auch als ›Grote Mandränke‹ (Großes Ertrinken) bezeichnet, war am 16. Januar 1362. Es kommt zu einer grundlegenden Änderung des Küstenverlaufs. Der Chronist Anton Heimreich berichtet in seiner ›Nordfriesischen Chronik‹ von 1666, die als die älteste Chronik Nordfrieslands gilt, von 21 gebrochenen Deichen. Die Opferzahlen schwanken – je nach Quellenüberlieferung des Chronisten – zwischen 10.000 und 100.000.  Während dieser zweiten Sturmflut versank die sagenumwobene, reiche und als gotteslästerlich geltende Siedlung Rungholt.