Harde

Im Mittelalter nannte man den Zusammenschluss mehrerer Siedlungen eine Harde. Insbesondere im ehemaligen Herzogtum Schleswig, das noch bis 1864 existierte und im wesentlichen aus Nordschleswig in Dänemark (von der deutsch-dänischen Grenze bis an die Königsau, im Westen bis Ribe und im Osten bis an den Kleinen Belt südlich von Kolding) und Südschleswig in Deutschland (das heutige Schleswig-Holstein) bestand, waren die sogenannten Harden anzutreffen. Die Harde hatte mit dem eigenen Landesherren eine eigene landeshoheitliche Verwaltung und eine eigene Gerichtsbarkeit. Mehrere Harden fasste man zu einem Syssel zusammen.

Der militärische Konflikt von 1864 zwischen Deutschland und Dänemark leitete die allmähliche Auflösung der Harde ein. Dieser Konflikt war der erste von drei deutschen Einigungskriegen und ging in Abgrenzung zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848 bis 1851) auch als ›Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg‹ in die Geschichte ein. Vorwiegend ging es in dieser Auseinandersetzung, die vom 1. Februar bis 30. Oktober 1864 dauerte, um die nationale Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig.

Nach der Niederlage Dänemarks wurden die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg durch den dänischen König, der gleichzeitig auch Herzog dieser drei Herzogtümer war, an Preußen und Österreich abgetreten. 1867 wurde aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Die Gerichtsbarkeit der Harden wurde abgetrennt; aus den Harden wurden die Hardesvogteibezirke, die den preußischen Kreisen von nun an untergeordnet waren.

Erst 1888 löste man die Harden endgültig auf. An ihre Stelle traten die kleineren Amtsbezirke. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete er Status einer ›preußischen Provinz‹. Am 23. August 1946 wurde das Land Schleswig-Holstein gegründet.

Literatur:
K.-J. Lorenzen-Schmidt und Ortwin-Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster 2000
de.wikipedia.org
bestaendeuebersicht.schleswig-holstein.de