Burchardiflut 1634

Thema Burchardiflut: Sturmflut am 08. Januar 2019 am Dagebüller HafenEs waren zwei verheerende Sturmfluten, die die Nordseeküste verwüsten und somit den Küstenverlauf Schleswig-Holsteins fundamental verändern: Die Zweite Marcellusflut von 1362 (auch erste ›Grote Mandränke‹) sowie die Burchardiflut von 1634 (auch zweite ›Grote Mandränke‹).

Die erste Grote Mandränke von 1362 
Die erste dieser verhängnisvollen Sturmfluten war die sogenannte zweite Marcellusflut, die am 15. und 16. Januar 1362 wütete und als erste ›Grote Mandränke‹ (Großes Ertrinken) in die Geschichte der großen Sturmfluten bzw. Nordfrieslands einging. Vor der großen Flut  war ›Alt-Nordstrand‹ (oder auch ›Strand‹) in die fünf Harden: ›Wiriksharde‹, ›Beltringharde‹, ›Lundenbergharde‹, ›Edomsharde‹ und ›Pellwormharde‹ eingeteilt. Die erste ›Groote Mandränke‹ zerstört die alte Form der Insel. ›Alt-Nordstrand‹ wird in mehrere kleinere Inseln zerrissen.

Die damals noch im Landesinneren liegende und relativ unbedeutende Stadt Husum ist übrigens nach der ersten ›Grooten Mandränke‹ (1362) Teil der Küste geworden. Ein Hafen wird gebaut und in nur wenigen Jahrzehnten konnte sich Husum zu einer geschäftigen Handelsstadt entwickeln. Die Hallig Südfall wird als erste Hallig von ›Alt-Nordstrand‹ abgepalten. In der ›nordfriesichen Chronik‹ von 1666 berichtet der im Jahre 1626 geborene Chronist und Pastor der Hallig ›Nordstrandischmoor‹, Anton Heimreich von 21 gebrochenen Deichen. Die Opferzahlen schwanken – abhängig vom jeweiligen Chronisten – zwischen 10.000 und 100.000.

Auch die sagenumwobene Siedlung ›Rungholt‹, die den Ruf hatte, reich und gotteslästerlich zu sein, versinkt in den Fluten. Viele Marschbauern verlieren große Flächen der Kulturlandschaft. Durch diese erste ›Groote Mandränke‹ vom 15. und 16. Januar 1362, wird die Basis für die Entstehung der hufeisenförmigen Insel ›Alt-Nordstrand‹ mit drei verbliebenen Harden gelegt, an dessen Enden die späteren Inseln Pellworm und Nordstrand liegen. Durch die ›Allerheiligenflut‹ von 1436 werden Pellworm und Nordstrand schließlich ganz voneinander getrennt. 1480 wurde Pellworm von einer weiteren Sturmflut heimgesucht und in zwei Teile zerrissen. In den folgenden Jahrzehnten  konnten die Schäden beseitigt werden, so dass etwa ab 1550 Pellworm und Nordstrand wieder zusammen kamen.

Die Burchardiflut von 1634 (zweite Grote Mandränke)
Endgültig besiegelt wurde die Trennung Pellworms von Nordstrand erst durch die Burchardiflut vom 11. und 12. Oktober 1634. Zudem war das Land zusätzlich wegen des noch andauernden Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wirtschaftlich geschwächt. Der Konflikt wurde zum größtenteils auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches mit enormer Grausamkeit ausgetragen, also im Herrschaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser. Hungersnöte und Seuchen waren die Folge. Es gab Landstriche, die bis zu 66% entvölkert wurden.

Von Ribe in Dänemark bis hinunter nach Brunsbüttel wurde die Küste verwüstet. Große Teile der Insel Alt-Nordstrand versanken im Meer. Der Rest der Insel löste sich in einzelne Teile auf. Die ehemals 22.000 ha große Insel, die zu jener Zeit hufeisenförmig war, 28 Köge und 22 Kirchspiele hatte, wurde von der verheerenden Flut auseinandergerissen. Die Zahl der Opfer wird allein auf Alt-Nordstrand mit etwa 6100 bis 6400 Menschen angegeben.  Dies entsprach etwa zwei Drittel der damaligen Bewohner Alt-Nordstrands, die von Hans Egidius mit 9041 angegeben werden. Viele der Überlebenden wanderten aus und den wenigen, die auf der Insel verblieben, gelang es nicht, die großen Löcher, die die Flut in den Deich gerissen hatte, wieder zu schließen. Erst als ein reicher Holländer sich auf Pellworm einkaufte, gelang mit dessen Unterstützung die Wiederbedeichung (siehe Hans Egidius, Seite 90).

Die Opferzahlen insgesamt schwanken, abhängig von der verwendeten Quellenangabe und dem Chronisten, zwischen 8.000 und 15.000 Menschen. Die schwersten Schäden entstanden im Bereich Nordfriesland. Da man noch die Schrecken der zweiten Marcellusflut von 1362 – auch erste ›Groote Mandränke‹ – in Erinnerung hatte, ging die Burchardiflut von 1634 als die ›Zweite Grote Mandränke‹ in die Geschichte Nordfrieslands ein.

 

Quellen:
Dirk Meier, Naturgewalten im Weltnaturerbe Wattenmeer, Boyens Buchverlag, 2012
Hand Egidius, Sturmfluten – Tod und Verderben an der Nordseeküste von Flandern bis Jütland, ccv concept center verlag, 2003
Klaus-J. Lorenzen-Schmidt / Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Wachholtz Verlag, 2000
www.ndr.de

Abbildung:
© Dieter Johannsen – Sturmflut am 08. Januar 2019, Dagebüller Hafen