Gezeiten

Wenn an der Nordseeküste der Grund des Meeres freigelegt wird und nur noch Schlick sichtbar ist, dieser Schlick aber wenige Stunden später wieder überspült wird, dann haben wir es mit täglichen und periodisch aufeinanderfolgenden Wasserstandsschwankungen zu tun, die wir ›Gezeiten‹ oder auch ›Tiden‹ nennen. Der Vorgang des ansteigenden (auflaufenden) Wassers wird als ›Flut‹, der des ablaufenden (abfließenden) Wassers dagegen als Ebbe bezeichnet. Den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut nennt am ›Tidenhub‹.

Täglich durchläuft das Wattenmeer zwei Gezeiten (oder Tiden). Die Dauer einer Tide, das heißt das Eintreten von einem Hochwasser zum nächsten Hochwasser beträgt durchschnittlich etwa 12 Stunden und 25 Minuten. Damit verschiebt sich das auflaufende Hochwasser zweimal täglich um etwa 25 Minuten. Demnach haben wir alle 24 Stunden und 50 Minuten zweimal Hochwasser und zweimal Niedrigwasser. An der Nordseeküste wird bei abfließendem Wasser der Grund einer etwa 9000 km² großen und etwa 40 km breiten Wasseroberfläche freigelegt.

Auslöser für diesen Vorgang sind die Planeten Sonne, Mond und Erde. Befinden sie sich in einer Linie zueinander, so verstärken sich die Gravitations- und Zentrifugalkräfte (Flieh- und Anziehungskräfte) der genannten Planeten. Es kommt zu zwei sogenannten ›Flutbergen‹, in denen sich das Wasser der Weltmeere ansammelt und so den Meeresspiegel ansteigen lassen. Der eine Flutberg befindet sich auf der dem Mond zugewandten, der andere auf der dem Mond abgewandten Erdseite.

Literatur:
Julia Voigt und Imke Voigtländer, Küsten-Wissen. Von Achtern bis Zugvögel, Hamburg 2017
H. Kunz, F. Pingel, T. Steensen, 100 x Nordfriesland, Nordfriisk Instituut, Bredstedt 2016
K.-J. Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster 2000
de.wikipedia.org